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Meldungen & Presse

Frauen leben in Angst und der Staat schaut zu

Femizide nehmen wieder zu. Frauen werden verfolgt, bedroht, ermordet und das von Ex-Partnern, Ehemännern, Fremden, Stalkern. Und trotzdem wird unsere Angst noch immer kleingeredet. Noch immer müssen Frauen beweisen, dass sie „wirklich“ in Gefahr sind. Noch immer heißt es bei Anzeigen wegen Stalking oder Bedrohung: „Es ist ja noch nichts passiert.“ Noch nichts passiert? Wie viele Frauen müssen noch sterben, bevor unsere Angst ernst genommen wird? Ich weiß, wie sich diese Angst anfühlt. Wieder habe ich einen Stalker. Wieder dieses ständige Gefühl, beobachtet zu werden. Wieder die Frage, ob ich sicher nach Hause komme. Wieder diese unfassbare Wut darüber, dass ich mein Leben anpassen muss, während Täter sich frei bewegen dürfen. Keine Frau fühlt sich mehr sicher. Nicht nachts. Nicht auf dem Heimweg. Nicht vor der eigenen Haustür. Nicht einmal im eigenen Zuhause. Diese permanente Unsicherheit ist kein individuelles Problem, sie ist politisch. Sie ist das Ergebnis eines patriarchalen Systems, das Gewalt gegen Frauen nicht verhindert, sondern verwaltet. Wir leben in einem Staat, der Frauen sagt, sie sollen Anzeigen erstatten, aber gleichzeitig Schutzmaßnahmen verweigert, solange keine „konkrete Gewalttat“ passiert ist. Als müsste erst Blut fließen, bevor gehandelt wird. Als wäre psychischer Terror keine Gewalt. Als wäre die tägliche Angst kein Angriff auf unsere Freiheit. Das Problem sind nicht einzelne „kranke Männer“. Das Problem ist eine Gesellschaft, die männliche Gewalt verharmlost, Frauen die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zuschiebt und Täter immer wieder schützt. Die Polizei reagiert oft erst, wenn es zu spät ist. Gerichte relativieren Bedrohungen. Politik spricht Betroffenheit aus, aber verändert zu wenig. Aus linker Perspektive ist klar: Femizide und Gewalt gegen Frauen sind systemische Gewalt. Sie entstehen aus Machtstrukturen, Besitzdenken und patriarchaler Kontrolle. Wer Frauen schützen will, muss nicht nur härtere Gesetze fordern, sondern die gesellschaftlichen Ursachen bekämpfen: Sexismus, ökonomische Abhängigkeit, institutionelles Versagen und die Normalisierung männlicher Dominanz. Wir brauchen echten Schutz: • Konsequente Strafverfolgung von Stalking und Bedrohung • Mehr Frauenhausplätze • Präventive Maßnahmen statt bloßer Reaktion • Polizeiliche und juristische Sensibilisierung • Eine Politik, die Frauenleben über Täterrechte stellt Unsere Wut ist berechtigt. Unsere Angst ist real. Und wir werden nicht länger akzeptieren, dass Frauen erst zu Opfern werden müssen, bevor ihnen geglaubt wird. Denn jede Frau hat das Recht auf ein Leben ohne Angst. Und dieses Recht ist nicht verhandelbar. 

Dunja Scanniello Mitglied der LINKEN, Heilbronn

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