Vortrag (mit Diskussion) von Reinhard Lauterbach:
„Der verdrängte Jahrestag (22. Juni 1941) - 85 Jahre deutscher
Überfall auf die Sowjetunion“
18. Juni, 19.30 Uhr, Heilbronn, Soziales Zentrum Käthe, Wollhausstr.
49
Vor 85 Jahren, am 22. Juni 1941, begann mit dem Überfall Hitler-Deutschlands
(„Unternehmen Barbarossa“) der Krieg gegen die Sowjetunion. Als er im Mai 1945
endete, hatte die Sowjetunion 27 Millionen Tote aus allen Teilrepubliken zu
beklagen, davon 14 Millionen Zivilisten. Auf deutscher Seite starben knapp 4
Millionen Wehrmachtssoldaten. Allein die Blockade Leningrads kostete zwei
Millionen Menschen das Leben. Drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene
starben in deutschen Lagern an Hunger und Ausbeutung. Der „Blitzkrieg“ sollte
Hitlers strategischen Hauptfeind, die Sowjetunion („jüdisch-bolschewistische
Weltverschwörung“) unterwerfen und bis zum Ural Deutschland untertan
machen. Das scheiterte schon im Dezember 1941 vor Moskau.
In der offiziellen Gedenkkultur der Bundesrepublik Deutschland führte und
führt die Erinnerung an den 22. Juni 1941 immer ein Schattendasein gegenüber
anderen Gedenktagen. Seit dem Ende der Entspannung mit Russland passt die
Erinnerung erst recht nicht in die „Zeitenwende“. Die Verschiebung wird daran
deutlich, wie unterschiedlich die deutsche Presse über den Ukraine-Krieg und
seine Begleiterscheinungen auf beiden Seiten berichtet: Die Ukraine ist Volk von
Kämpfern und trauernden Zivilisten; über die russische Seite erfährt man kaum
etwas.
Der gelernte Historiker und Slawist Reinhard Lauterbach verfolgt als Journalist
(„Junge Welt“, „konkret“) seit vielen Jahren mit in alle Richtungen kritischer
Distanz die Ereignisse in Osteuropa. In seinem Vortrag befasst er sich zunächst
mit der systematischen ideologischen (psychologischen?) und politischen
Vorbereitung des deutschen Feldzuges („Unternehmen Barbarossa“). Weitere
Themen sind die unterschiedlichen identitätsstiftenden Gedenkkulturen in den
verschiedenen Ländern der Region. Thematisiert werden auch die aktuellen
Kontroversen über Instrumentalisierung der Geschichte oder
„Geschichtsrevisionismus“, über den Anteil der Sowjetunion am Sieg über den
Hitler-Faschismus und die Frage nach Kontinuitäten und
Brüchen Deutschlands im Verhältnis zu Russland.