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Meldungen & Presse


Zweierlei Tod

November – Zeit des Totengedenkens, der Ehrung der im Krieg „Gefallenen“ aller Seiten, egal ob Angreifer oder Verteidiger. Kränze gibt es für alle. Im Tod sind alle Menschen gleich, sagt man. Das stimmt nicht. Sie waren es nicht, und sie sind es nicht. Der Historiker Dan Diner hat in seiner Rede „Tod ist nicht gleich Tod“ vor dem Landtag in Dresden am 27. 1. 2006 - Rede - den Tod einer geschundenen Häftlingsfrau dem Tod einer KZ-Wärterin gegenübergestellt – Zwei Tode, in nichts gleich. „Für die Nachwelt handelt es sich um eine Verschiedenheit im Ganzen“, sagt er am Schluss seiner Rede. Tod war also nicht gleich Tod, im Jahr 1945.

Tod ist auch nicht gleich Tod, im Jahr 2020. Der in Frankreich und Deutschland von Islamisten Ermordeten wird mit großem Aufwand gedacht, zu Recht. Der in Afghanistan durch gezielte Selbstmordanschläge oder als „Kollateralschäden“ durch US-Drohnen umgebrachten Zivilisten gedenkt niemand mit ähnlichem Aufwand, ebenso wenig der im Krieg im Jemen umgebrachten Männer, Frauen und Kinder. Diese sterben durch Bomben der Kriegsflugzeuge aus Saudi-Arabien, das massiv Militärhilfe zum Töten aus Deutschland erhält. Immer noch gilt: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“, wie Paul Celan in seiner berühmten Todesfuge sagt.

Wie wäre es, wenn die Herrschenden keine Kränze niederlegten, betroffen guckend, sondern statt dessen die Waffenexporte stoppten und die Rüstungsausgaben senkten? Und mit dem gesparten Geld den Hunger in der Welt bekämpften? Es würde viele Male reichen …

Heinz Deininger