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Meldungen & Presse

o.Ang.
ADN-ZB Rosa Luxemburg, führende linke Sozialdemokratin, Mitbegründerin der KPD, geb. 5.3.1871 in Zemosé ermordet am 15.1.1919 in Berlin
Rosa Luxemburg

Rosa Luxemburg am 6. Mai 1914 in Heilbronn – vor 107 Jahren

Eine Entdeckung und Empfehlung von Anneliese Fleischmann-Stroh:

Am 6. Mai 1914 hielt Rosa Luxemburg in Heilbronn in den Kilianshallen, da, wo heute der Rewe-Markt in der Fleiner Straße ist, zwei Reden, über die in der Lokalzeitung berichtet wurde. Übernachtet hat sie im Gasthof Falken, dort ist heute das Café Liberté.

Neckar-Zeitung vom 7. Mai 1914

Heilbronner Chronik

Die „rote Rosa“ in Heilbronn

„Was rennt das Volk, was wälzt sich dort, die langen Gassen brausend fort.“ Es ist wahr, die Heilbronner sind verwöhnt, sie reagieren in ruhigen politischen Zeiten nur noch, wenn etwas Besonderes los ist. Gestern gab es eine Attraktion. Die Sozialdemokratie hatte Rosa Luxemburg gewonnen, die in zwei aufeinanderfolgenden Versammlungen sprach. Wir wohnten der zweiten an. Die Kilianshallen waren drückend voll; außer den Genossen ließen es sich auch andere nicht nehmen, die Röteste der Roten in persona einmal zu sehen und zu hören. Militarismus und Arbeiterklasse hatte sie zum Thema gewählt. Was sie sagte, rührt uns wenig. Es waren die üblichen loci communes: Militarismus, „der Lebensnerv des heutigen Staates“, Arbeitslosigkeit, Kapitalismus, Miliz und wie die Dinge alle heißen, wurden wieder aufgetischt, die Sozialdemokratie als die allein seligmachende Kirche der Politik gepredigt. Uns interessierte mehr das wie und die Person. Am Tische saß eine kleine schwarze Frauensperson, ruhig, scharf der Blick, energisch der Ausdruck. Sie erhob sich und sprach bald hin- und hergehend, bald mit verschränkten Armen ruhig dastehend, in etwa einstündigem, freiem, fließendem Vortrag, mit singender, aber scharfer Stimme. Minen- und Gebärdenspiel verlieh den Pointen Ausdruck. Der Accent klingt wenig deutsch, stilistisch spricht sie aber gut. In einer bilderreichen Sprache weiß sie mit Ironie und Antithesen geschickt zu operieren und die Massen zu packen, die mit ihrem Beifall auch nicht zurückhielten. Wie ein roter Faden zog sich durch den ganzen Vortrag hin der Frankfurter Staatsanwalt, dem sie anscheinend seinen harten Strafantrag doch nicht verzeihen kann. Sämtliche Soldatenmisshandlungen mußten herhalten, als ob andere diese nicht auch verurteilten (?). Und wenn sie die Herren Heim (?) und Liebert (?) zitierte, so konnten deren Freunde sehen, welche Früchte ihre Tätigkeit zeitigt. Kampf auf Leben und Tod bis zum Untergang der bestehenden (?) Klasse ist ihr Ideal. Alles wird anders, wenn wir eine andere Gesellschaftsordnung eingeführt haben, ruft sie pathetisch den Genossen zu. Es ist nur zu fürchten, sie muss wie Bebel zur Einsicht kommen, dass der große Kladderadatsch noch lange auf sich warten läßt.

Liebert: Militärschriftsteller, rechtskonservativer deutscher Frauenbund, Text: eigene Transkription nach dem Artikel auf Mikrofilm im Heilbronner Stadtarchiv

Und das hat sie bereits 1906 geschrieben:

„Zu diesen Angelegenheiten gehören: lokale Steuern für die Stadt- oder Gemeindekasse; der Unterhalt der örtlichen Schulen; der Unterhalt der Krankenhäuser; die Beleuchtung der Stadt oder Gemeinde; die Instandhaltung der Straßen, Wege und Brücken; die Wasserversorgung der Stadt oder Gemeinde; ferner die städtischen Markthallen; der Stadtverkehr, das heißt die Straßenbahnen, Omnibusse, Droschken; die Verschönerung der Stadt; die Erhaltung der öffentlichen Anlagen und Gärten; der städtischen Theater; der öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen, wie Heime, Nachtasyle, öffentliche Waisenhäuser; der Institutionen der Volksbildung, wie Bibliotheken und Lesehallen in Stadt und Land; endlich auch der Feuerwehr usw. usf.

Die Arbeiter, die mit ihren Händen alle Städte, Häuser und Straßen erbaut haben, müssen fordern, dass für sie breite und bequeme Straßen gebaut werden, dass in den von ihnen bewohnten Gegenden öffentliche Gärten und Anlagen für die Kinder angelegt werden, dass auch dort, wo die bienenfleißigen Arbeiter wohnen, und nicht nur dort, wo sich die bürgerlichen Parasiten eingenistet haben, auf den Straßen und in den Häusern Reinlichkeit herrscht, Kanalisation und Wasserleitung mit sauberem Wasser angelegt werden usw.

das Personal der städtischen Krankenhäuser, die Dienstmänner, einen bestimmten Minimallohn und einen entsprechend geregelten Arbeitstag erhalten sowie dass ihnen ein gewisser Unterhalt von der Stadt im Fall von Alter und Invalidität oder Krankheit gesichert wird. Ferner erfordert das Interesse der arbeitenden Bevölkerung, dass die Versorgung der Stadt mit Licht, Gas, Wasser, Straßen- und Pferdebahnen nicht in die Hände kapitalistischer Privatunternehmer gegeben wird, die Millionen daran verdienen würden,…“

Quelle: https://sites.google.com/site/sozialistischeklassiker2punkt0/luxemburg/luxemburg-1906/rosa-luxemburg-was-wollen-wir, abgerufen am 5. Mai 2021

 

Das FBI in einer Akte über Rudi Dutschke 1968: Rosa Luxemburg (in FBI-Lesart interessanterweise eine „liberale Sozialistin“) Quelle: https://taz.de/Wie-die-USA-Rudi-Dutschke-beobachteten/!5765295/, 5. Mai 2021

Ich empfehle sehr die Lektüre des gesamten Textes, man könnte das heute als Rede fast unverändert im Gemeinderat oder Bundestag halten. Und dann stimmen die Grünen in Heilbronn einer Leasingfirma für Krankenhauspersonal zu…..