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Meldungen & Presse


Landtagskandidatinnen diskutieren Feminismus

Frauen* halten die Gesellschaft am Laufen. 75% der Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen wie Lebensmitteleinzelhandel, Pflege und Erziehung sind weiblich. Unbezahlte Sorge- und Pflegearbeit zu Hause wird überwiegend von Frauen geleistet. Insgesamt arbeiten Frauen im Durchschnitt am Tag eine Stunde mehr als Männer. Sie verdienen in Baden-Württemberg aber durchschnittlich fast 25% weniger. Armut hat daher ein weibliches Gesicht. Die Corona-Pandemie verschärft die Geschlechterungleichheit. Jede dritte Frau hat seit Beginn der Pandemie ihre Arbeitszeit reduziert, um sich um Erziehung und Pflege von Angehörigen kümmern zu können. Gleichzeitig hat nur jeder sechste Mann die Arbeitszeit reduziert. 

Am vergangenen Mittwoch haben beim wöchentlichen Online #Mitmachmittwoch die beiden Landtagskandidatinnen Emma Weber (Wahlkreis Eppingen) und Marlene Neumann (Wahlkreis Heilbronn) zusammen mit Interessierten das Thema Frauenrechte in Zeiten von Corona diskutiert. Mit dabei war Sabine Skubsch, Mitinitiatorin der Feministischen Vernetzung in der LINKEN und Mitglied des Landesvorstands DIE LINKE Ba-Wü. In ihrem Vortrag hat Skubsch drei wichtige Bereiche aufgegriffen; Arbeit, Care Arbeit und Anti-Feminismus. Beim Thema Arbeit habe die Corona Pandemie gezeigt, dass mehrheitlich durch Frauen besetze Berufe in den Bereichen Pflege, Erziehung und Reinigung zwar systemrelevant seien, aber auch durchweg schlechter bezahlt als andere Bereiche. Im Pflegebereich sei der Fachkräftemangel ‚hausgemacht‘, weil die Finanzierung durch Fallpauschalen zu Einsparungen im Personalbereich geführt haben, womit die Arbeitsbelastung massiv angestiegen sei und wiederum mehr Personen den Pflegebereich verlassen haben. In manchen dieser systemrelevanten Berufe sei das Gehalt so gering, dass sich die Personen die rapide steigenden Mieten in vielen Teilen Baden-Württembergs nicht mehr leisten können. Im Bereich der Care Arbeit übernehmen Frauen immer noch den Löwinnenanteil, so Skubsch. Ihre Forderung und die der LINKEN ist das Abbauen der Maßnahmen, die eine ungleiche Verteilung fördern, wie zum Beispiel das Ehegattensplitting. Zentral sei auch eine bessere, kostenfreie Kinderbetreuung. Durch eine 4-Tage Arbeitswoche könne Care Arbeit ebenfalls gerechter verteilt werden. Skubsch macht auch auf die Bedrohung durch den Anti-Feminismus aufmerksam, da bei Rechtsterroristischen Attentaten in der Vergangenheit häufig frauenfeindliche Beweggründe eine Rolle spielten. Auch auf die in Corona Zeiten gestiegene Gewalt an Frauen in Familien und Partnerschaften zeige wie wichtig ein umfassender Schutz durch Frauenhäuser sei, die ausgebaut und finanziell abgesichert werden müssen. Sie frage sich, warum nicht leerstehende Hotels vorübergehend als Schutzhäuser genutzt werden können, bis die Kapazitäten ausreichend ausgebaut seien. 

In der Diskussion im Anschluss wurden die Themen aus dem Vortrag aufgegriffen und bestärkt. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass es einer Politik bedarf, die eine Gleichberechtigung fördert und nicht durch überholte Maßnahmen verhindert. Es wurde auch gefordert, dass wir veraltete Vorstellungen von Familie und Aufgabenverteilung zum Wohle aller hinter uns lassen sollten. 

Beim kommenden #Mitmachmittwoch am 27. Januar geht es um das Thema Arbeitsweitswelt von morgen – wie ist eine 4 Tage-Woche umsetzbar?. Wir freuen uns auf einen regen Austausch. Los geht es um 19 Uhr unter diesem Link: https://tinyurl.com/MitmachMittwoch.