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Meldungen & Presse


Kündigung einer (nahezu) fünfzigjährigen Beziehung

Erhard Jöst erhielt Post von seiner Partei: Per Einschreiben mit
Rückschein teilte ihm der Regionalgeschäftsführer der SPD Heilbronn,
Bernd Safferling, mit, dass man ihn aus der Partei wirft. Damit endet
eine Beziehung, die ein halbes Jahrhundert bestand. Seit dem 1.7.1969
war Jöst ein aktives SPD-Mitglied und für die Partei in zahlreichen
Funktionen tätig. Zuerst engagierte er sich im Rhein-Neckar-Kreis, dann
in Bad Mergentheim als Juso-Vorsitzender, Pressesprecher und Stadtrat.
Er organisierte viele Veranstaltungen, von denen einige bundesweit
Schlagzeilen machten, etwa eine Podiumsdiskussion mit Gerneral Gert
Bastian und eine Kabarettvorstellung mit Dieter Hildebrandt. Auch in
Heilbronn, wo er seit 1981 lebt, übernahm er immer wieder Ämter und war
viele Jahre lang als stellvertretender Vorsitzender im Ortsverein
Neckargartach und als Mitglied im Kreisvorstand Heilbronn tätig. Aber
die Zuneigung zwischen ihm und den Vorstandgenossen in der Region war
seiner Ansicht nach stets nur einseitig. Denn immer, wenn er sich um ein
Mandat im Stadtrat bemühen wollte, wurde seine Kandidatur entweder
verhindert oder er musste sich mit einem aussichtslosen Platz begnügen.
Er empfand dies deshalb als Diskriminierung, weil die SPD gleichzeitig
Personen auf ihre Kandidatenliste setzte, die keine Mitglieder waren.
Mehrmals stellte Jöst daher den Antrag, die SPD solle ausschließlich
Parteimitglieder als Kandidaten nominieren, aber diese Anträge wurden
jedes Mal abgewiesen. Als ihm nun die Partei "Die Linke" anbot, auf
ihrer Liste zu kandidieren, nahm er dankbar an. "Die Linke hat mir die
Wertschätzung entgegengebacht, die meine Partei, die SPD, stets
vermissen ließ", kommentierte der Neckargartacher Bezirksbeirat den
Vorgang. Die SPD wiederum nimmt ihn zum Anlass, seinen Rauswurf
vorzubereiten. Jöst könnte diesen eventuell noch verhindern, wenn er der
Forderung nachkäme, "binnen einer Woche Ihre Kandidatur auf der Liste
'Die Linke' im Gemeinderat der Stadt Heilbronn aufzugeben." Wenn er den
Gehorsam verweigert, gilt dies "als Austritt aus der Partei". Dann wird
ihm die SPD wohl auch kaum seine letzte Bitte erfüllen, die er als
Antwort auf den Drohbrief geäußert hat: "Liebe Genossinnen und Genossen
vom Kreisvorstand, könnt ihr bitte dafür sorgen, dass mir zusammen mit
dem Rauswurf aus der SPD das Goldene Parteiabzeichen für 50 Jahre aktive
Mitgliedschaft, die mit vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten verbunden war,
verliehen wird?"