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Meldungen & Presse


Kippt der Kapitalismus? Zuviel Reichtum schadet dem Klima - und der Gesellschaft und den Menschen.

Der Rosa-Luxemburg-Club Heilbronn hat wieder eine tolle Referentin in die Ebene 3 eingeladen. Diesmal war Birgit Mahnkopf Referentin des Abends. Mahnkopf ist Professorin für Europäische Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von attac Deutschland [https://de.wikipedia.org/wiki/Attac]. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die ökonomischen, politischen und sozialen Dimensionen der Globalisierung.
Die Veranstaltung wurde auch von der Fridays for Future-Gruppe aus Heilbronn unterstützt. Mahnkopf ging auf die aktuellen Probleme der Weltwirtschaft ein. Dabei richtete sie den Fokus einerseits auf die ökologischen Kipppunkte ("Klimakatastrophe"), als deren Folgen sie neben vom Menschen verursachten Erderwärmung durch den CO2-Ausstoß viele nicht mehr rückgängig zu machende weitere Veränderungen sieht, u.a. Artensterben. Mahnkopf versteht sich als Wissenschaftlerin, sie argumentiert auf der Basis von ökologischen und ökonomischen wissenschaftlichen Erkenntnissen. In drastischen Worten malte sie die aktuelle ökologischen Lage: Es wird mehr verbraucht und mehr verpestet, als die Erde auf Dauer ertragen kann. Parallel dazu thematisierte sie ökonomische Kipppunkte. Im Kapitalismus muß sich jede Investition rentieren, d.h. das als Kapital eingesetzte Geld muß Profit abwerfen in Form von mehr Geld. Dies erfordert zwingend mehr ökonomisches Wachstum. Kipppunkte in Ökologie und Ökonomie sind nun Momente, an denen Probleme in einem Bereich (Ökologie) sich auch auf andere Bereiche (Ökonomie) auswirken und eine Dynamik aufnehmen, die nicht mehr zu stoppen ist.
Denn die Naturschätze unserer Erde sind z.B. endlich, während im Kapitalismus der Wachstumszwang aufgrund der vorwärtstreibenden Konkurrenzverhältnisse keine Rücksicht darauf nehmen kann. Deshalb forderte sie zu einer radikalen Wende in unserer Art zu produzieren auf, ebenso in unserem Konsumverhalten, etwa durch das Verbot von Flügen. Sie sieht keine Alternative zu einer staatlich und gesellschaftlich durchgesetzten Ordnungspolitik, wenn ernsthaft Verbesserungen erzielt werden sollen. Von freiwilligen Beschränkungen hält sie nicht viel. Die Frage, wie das in einer demokratischen Weise erreicht werden kann, blieb offen.
Die Berlinerin ging auch detailliert auf Kipppunkten in der Ökonomie ein. So konnten die Aktienmärkte nach der Finanzkrise nur weiter wachsen mit einem hohen Anteil von Risiken, die früher oder später zu einem Zusammenbruch führen müssen. Auch der exorbitant gestiegene Reichtum bedeutet als Kehrseite das Ansteigen von Schulden, hier vor allem auch Staatsschulden, die demokratisches Handeln von Regierungen zunehmend einschränken.
Mahnkopf sieht uns am Beginn eines epochalen Systemwechsels, wie er beginnend vor 400 Jahren beim Übergang vom Feudalismus in die Industriegesellschaft vonstatten ging. Das war eine Zeit voller Brüche, Katastrophen, Ungleichzeitigkeiten und Auseinandersetzungen. Damals konnte es im alten Stil mit der Dominanz von Kirche und Adel und der Leibeigenschaft als Basis der Agrarproduktion nicht weitergehen, aber die bürgerliche kapitalistische Gesellschaft mit der Ungebundenheit und Freizügigkeit für Kapital, Arbeit und Menschen war erst im Entstehen. Auch heute, führte Mahnkopf aus, kann es so nicht weitergehen, vieles wird sich ändern - ob das gewollt wird oder nicht. Eine Regulation oder Zähmung des Kapitalismus in Richtung "Ökologischer Kapitalismus" oder "Green new deal" hält Mahnkopf für aussichtslos.

In der anschließenden Diskussion kam dann die Frage nach dem "Was tun?" Wie kann der unausweichliche Wandel vom Alten hin zum Neuen unter den Rahmenbedingungen der vor den Tür stehenden Klimakatastrophe human gestaltet werden? Hier wußte Mahnkopf, die klar formuliert und von ihren Ansichten überzeugt ist, auch keine Patentrezepte. Die Veränderung muss tiefgreifend sein, da unser Verbrauch zu hoch ist. Wie dies der Bevölkerungsmehrheit vor allem hierzulande vermittelt werden soll, so daß sie den Wandel mittragen, blieb offen. Sie sieht eine Chance in transformatorischen Projekten, die in ein anderes Produzieren und Leben weisen.

Man könnte auch sagen: Vernunft muss organisiert werden.

Wer an dem Vortrag interessiert ist und an dem Abend nicht teilnehmen konnte, hier eine Aufzeichnung: Birgit Mahnkopf - Der Kapitalismus an den Kipppunkten von Natur und Gesellschaft https://www.youtube.com/watch?v=RmFLht_ykpQ

Wer gemeinsam mit uns über die Fragen der Organisation und die Überwindung des Kapitalismus diskutieren möchte, kann am kommenden Seminar des Rosa-Luxemburg-Club Heilbronn (http://bw.rosalux.de/rosa-luxemburg-clubs/heilbronn/) teilnehmen. 3 Abende sind geplant. Erstes Treffen ist am 5.3.2020 um 19.30 Uhr im Büro der LINKEN in Heilbronn.. Bei Interesse bitte per eMail anmelden unter rlc-heilbronn@rosalux.org.