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Meldungen & Presse

Gregor Gysi und LINKE aus dem Kreisverband Heilbronn-Unterland

Gysi begeistert im Heilbronner Komödienhaus

Heilbronn | Gregor Gysi war der Stargast einer Podiumsdiskussion des Heilbronner Theaters im ausverkauften Komödienhaus. Unter dem Titel Vorgeschichte zur friedlichen Revolution wurde an die Vorwendezeit erinnert. Das Theater veranstaltet um den 30sten Jahrestag der Wiedervereinigung eine ganze Reihe von Angeboten, wie das Theaterstück von Heiner Müller: "Germania 3".
Im Komödienhaus kamen wohl die meisten ZuhörerInnen, darunter viele Mitglieder und Sympathisanten der LINKEN, wegen Gregor Gysi. Dabei waren die anderen Podiumsteilnehmer mindestens genauso interessant. Hasko Weber ist Schauspieler und Intendant und berichtete aus seiner Sicht als Jugendlicher in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz. Er ging auch auf die heutige Situation in Ostdeutschland ein und sprach von den großen Brüchen nach der Wende mit Massenarbeitslosigkeit und Ausverkauf auch gut laufender Ostbetriebe.
Der frühere Oppositionelle Dr. Hans Misselwitz konnte nicht persönlich da sein. Der Schauspieler Stefan Eichberg verlas seine Einschätzung der Vorwendezeit, in der klar wurde, dass viele Hoffnungen dieser Zeit auf eine offene, solidarische und friedliche Zukunft so nicht eintraten.

Gysi stellte im wesentlichen zwei Thesen auf: Die Ostdeutschen haben sich ihre Wende selbst gemacht. Und die Einheit wurde durch die westdeutschen Eliten und ihre Politiker rücksichtslos durchgezogen. Mit der Übernahme von DDR-Errungenschaften im sozialen Bereich hätte das abgefedert werden können.

Mit der Eingliederung der DDR in die Bundesrepublik verschwand der historische Versuch, eine sozialistische Gesellschaft zu entwickeln. "Der Kapitalismus ist übrig geblieben" sagte Hasko Weber. Gysi betonte, daß bei Tarifverhandlungen in der Bundesrepublik die DDR immer unsichtbar als gewerkschaftlicher Partner mit am Tisch saß - heute fehlt dieses Korrektiv in der bundesdeutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Im Grundgesetz ist zwar die Unverletzbarkeit der Wohnung ein Grundrecht verankert, aber es gibt kein grundgesetzliches Recht auf eine Wohnung. Auch international hat das Ende des Systemwettstreits die Kräfteverhältnisse neu sortiert. Die Weltmacht USA kündigt immer wieder international ausgehandelte Verträge auf: zum Beispiel das Atom-Abkommen mit dem Iran oder die Begrenzung von atomaren Mittelstreckenraketen in Europa.

Bei aller exzellenten Rhetorik vor allem des LINKEN-Politikers blieben am Abend die Namen der Gewinner der Wende ungenannt: weder Chemiekonzerne, Energiekonzerne, Mineralkonzerne noch andere Großkonzerne wurden benannt. Die Treuhandanstalt war eigentlich nur Vollstrecker, am ostdeutschen Vermögen verdienen bis heute Konzerne sämtlicher Wirtschaftszweige blendend und sorgen für tarifliche und soziale Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

Zum Abschluss ging Gysi noch auf die aktuelle Politik ein und forderte ein Ende von militärischen Interventionsplänen und Rüstungsexporten aus Deutschland und sprach sich für soziale Gerechtigkeit aus. Mit großem Applaus wurden die Podiumsteilnehmer vom begeisterten Publikum verabschiedet.