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Frauentag und Landtagswahl

Die Linke Heilbronn-Unterland wird am 7.3. einen Infostand zum Thema Frauentag von 11 bis 13 Uhr auf dem Kiliansplatz machen. Ebenfalls werden wir an der Demo der Feministischen Linken am 8.3. ab 14.30 Uhr ebenfalls auf dem Kiliansplatz teilnehmen. Wenn Die Linke in den Landtag einzieht, wird auch der Anteil junger Frauen in diesem Gremium steigen.

Wieso das wichtig ist könnt ihr in dem Kommentar von unserem Mitglied Dunja nachlesen:

16 % weniger Lohn aber die gleichen Rechnungen. Und die Periode zahlt niemand mit. 

In Deutschland verdienen Frauen im Jahr 2025 durchschnittlich 16 % weniger pro Stunde als Männer. Laut dem Statistisches Bundesamt entspricht das einem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von 22,81 € für Frauen gegenüber 27,05 € für Männer. Selbst wenn Faktoren wie Teilzeit, Branche oder Berufserfahrung herausgerechnet werden, bleibt eine bereinigte Lohnlücke von rund 6 %, die sich strukturell nicht erklären lässt. In Bundesländern wie Baden Württemberg liegt der unbereinigte Gender Pay Gap sogar bei etwa 20 %. Diese Zahlen sind keine abstrakten Statistiken sie wirken sich konkret auf das Leben aus. Auch ich selbst habe im Gesundheitswesen gespürt, dass Gleichwertigkeit in Verantwortung und Leistung nicht automatisch Gleichwertigkeit in Bezahlung bedeutet. Gerade in einem Bereich, der stark von Frauen getragen wird, zeigt sich, wie tief strukturelle Unterschiede verankert sind. Der Gender Pay Gap ist kein theoretisches Konzept, sondern eine Realität, die selbst dort existiert, wo Fürsorge, Kompetenz und Professionalität täglich unter Beweis gestellt werden. Parallel dazu existiert ein Problem, das lange tabuisiert wurde: Periodenarmut. Darunter versteht man die Situation, dass Menschen sich notwendige Menstruationsprodukte wie Tampons oder Binden nicht oder nur schwer leisten können. Eine Studie der Kinderrechtsorganisation Plan International Deutschland zeigt, dass fast jede vierte Frau in Deutschland Schwierigkeiten hat, Periodenprodukte zu bezahlen. Besonders betroffen sind junge Frauen zwischen 16 und 24 Jahren. Die Folgen sind gravierend: Viele Betroffene sparen an Hygiene, wechseln Produkte seltener oder nutzen ungeeignete Alternativen mit potenziellen gesundheitlichen Risiken. Untersuchungen der Universität zu Köln weisen darauf hin, dass rund 15 % versuchen, möglichst wenige Produkte zu verbrauchen, und etwa jede zehnte Person den Wechsel bewusst hinauszögert. Periodenarmut ist damit nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein gesundheitliches und soziales Problem. Der Zusammenhang zwischen Gender Pay Gap und Periodenarmut ist offensichtlich: Wer weniger verdient, hat weniger finanziellen Spielraum und muss dennoch zusätzliche geschlechtsspezifische Ausgaben tragen. Über die Lebenszeit hinweg summieren sich die Kosten für Menstruationsprodukte auf mehrere tausend Euro. Diese Ausgaben betreffen ausschließlich menstruierende Menschen. Männer sind von diesen regelmäßigen, biologisch bedingten Mehrkosten nicht betroffen. Damit entsteht eine doppelte Belastung: Frauen verdienen im Durchschnitt weniger und müssen gleichzeitig Ausgaben tragen, die untrennbar mit ihrem Körper verbunden sind. Besonders spürbar ist das für Menschen mit geringem Einkommen, Auszubildende, Studentinnen oder Alleinerziehende. Wenn Periodenprodukte aus Kostengründen fehlen, kann das dazu führen, dass Betroffene Schule, Arbeit oder soziale Aktivitäten meiden. Ein Kreislauf, der Ungleichheit weiter verstärkt. Gender Pay Gap und Periodenarmut sind daher keine getrennten Phänomene, sondern Ausdruck derselben strukturellen Realität: Wirtschaftliche Ungleichheit hat konkrete körperliche, gesundheitliche und soziale Folgen. Solange Frauen im Durchschnitt weniger verdienen, bleibt auch der Zugang zu grundlegenden Bedürfnissen ungleich verteilt. Die Diskussion um Lohngerechtigkeit ist deshalb immer auch eine Diskussion um Würde, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe. Die Linke fordert zur Bekämpfung dieser Ungleichheit unter anderem einen deutlich höheren gesetzlichen Mindestlohn, mehr Tarifbindung und Transparenz bei Gehältern zur Schließung des Gender Pay Gaps sowie die kostenfreie Bereitstellung von Menstruationsprodukten in öffentlichen Einrichtungen, um Periodenarmut strukturell abzubauen. Es frustriert mich zutiefst, dass wir trotz Verantwortung und Fachkompetenz strukturelle Ungleichheit spüren und gleichzeitig grundlegende Bedürfnisse wie Periodenprodukte noch immer keine Selbstverständlichkeit sind. 

Dunja Scanniello Mitglied der LINKEN, Heilbronn